Mother`s Diary: Ein Wellnesstag für Mama

Liebe Freundin,

heute möchte ich Dir zunächst erklären, weshalb Du meine Berichte über mein langweilig alltägliches Leben über Dich ergehen lassen musst. Am Ende siehst Du sicher ein, dass Du da tapfer durch musst und buchst es ab unter der Rubrik `Jeden Tag eine gute Tat`. Also hör einfach zu. Es gab zwei Schlüsselerlebnisse in der jüngsten Vergangenheit, die mich dazu bewogen, aufzuschreiben womit ich meinen Tag so verbringe.


Das erste war eine Begegnung mit einer anderen Dreifachmutter auf einer Geburtstagsparty einer sehr lieben Freundin. Diese Konkurrenzerscheinung berichtete mir nun, was sie alles so macht. Während der Elternzeit schloss sie ihr Studium ab, nun arbeitet sie Vollzeit am Allerwertesten der Welt, nebenbei managt sie morgens um 5Uhr (vor der Arbeit!) noch die gesamte Wäsche, hat mit ihrem Mann ein altes Haus gekauft und komplett saniert. Aktuell organisiert sie den Umzug und packt nach der Arbeit Umzugskartons. Und dann kam (ihre) mich vernichtende Frage: „Und was machst Du so?“ Was antwortet man da?


Das zweite Schlüsselerlebnis war ein Satz einer älteren Dame, die ich ehrlich gern mag. Nur der Spruch hat mich irritiert, das gebe ich zu: „Meine Mutter hat immer gesagt, den ersten erzieht man, der Rest erzieht sich gegenseitig bzw. läuft von allein.“ Interessante These. Hab ich so noch nicht betrachtet. Wer erzieht also wen? Mein Mann  und ich erziehen also Tick (den Ältesten). Tick erzieht Trick (unser Sandwich). Trick erzieht den Hund (nennen wir ihn einfach mal Pluto). Pluto erzieht Track (unsere Kleine bzw. Mini-Me). Und Track? Track erzieht meinen Mann und mich. So schließt sich also der Kreislauf unseres Familienlebens. Ist doch alles ganz einfach, oder?


Natürlich hat sie in einem Punkt recht, meine Kurzen spielen auch viel miteinander. Wenn sie sich gerade eine Erholungspause vom Streiten gönnen, gibt es diese flüchtigen Momente der absoluten Harmonie. Dann bin ich immer sehr gerührt und greife gelegentlich zur Videokamera. Soeben frage ich mich, ob Rütter‘s Hundeversteherthesen auch auf meine Kinder passen. Inszenieren sie die ganze Zankerei nur? Wenn ich nicht in der Nähe bin, höre ich – NICHTS! Dann mach ich mir Sorgen, geh gucken, der Lärmpegel steigt augenblicklich an, einer brät dem andern eins über und ich kann beruhigt wieder gehen. Es ist alles in Ordnung.


Ich bin vom Thema abgekommen.  Heute ist es jedenfalls wieder soweit. Ein ganzer Tag Wellness für Mama. Gleich nach dem Frühstück geht’s los. Ab ins Naherholungsgebiet, eine Etage tiefer wo ich mich einen ganzen Tag im Wäschegebirge ausruhen darf. Ich ersteige die Spitze des Gletschers und denke, von hier oben sieht alles ganz harmlos aus. Nur die Luft hab ich mir irgendwie reiner, frischer vorgestellt. Manch eine fragt sich nun vielleicht, weshalb ich das nicht einfach auf viele Tage verteile. Dafür gibt es einen Grund. Immer darauf bedacht, meinen Alltag zu optimieren, habe ich einen neuen Ratgeber zum Thema Haushaltsführung gelesen. Darin beschreibt eine andere Vielfachmutter wie sie an nur einem Tag die komplette Wäsche inkl. Bügeln schafft, und so den Rest der Woche nicht an das leidige Thema denken muss – wie befreiend. Nach genauerer Recherche stellt sich schnell heraus, die Autorin hat beschissen. Sie wäscht und bügelt zwei Tage lang. Aber macht nix, ich mach einfach mit und bescheiß mich künftig auch selbst.


Die Berge neuer schmutziger Wäsche, die ich an den folgenden Tagen in den Keller bugsiere, ignoriere ich einfach. Dazu haben mich meine Kinder inspiriert. Besonders mein Ältester, Tick, war ein Meister im Versteckspielen. Hielt sich die Händchen vor die Augen und war seiner Meinung nach bestens verborgen. Nach dem Motto seh ich Dich nicht, siehst Du mich nicht, vermeide ich also jeden Blick auf die prallgefüllten Körbe von Schmutzwäsche. Hast Du etwa was gesehen? Ich nicht! Und so arbeite ich mich also wöchentlich durch mein Gebirge.

Im Radio (mein einziger Kontakt zur Außenwelt) dudelt ‚Heidi, Heidi, Deine Welt sind die Berge…‘ Ohne Witz, wenn ich zum Wandern in meine Berge gehe, hör ich gern die Heimatsender. Das hat was, man fühlt sich ‚hier oben bist du zuhaus‘. Dann ruft es ‚komm doch her, bleib bei mir, komm doch wieder zurück‘. Mach ich, ich versprech’s.


Aber jeder Wellnesstag ist irgendwann zu Ende. Es hat sich wieder mal gelohnt. Die Taschen voller Schätze kehre ich heim. Ein Ausflug ins Wäschegebirge, erinnert mich immer ein bissel an eine Fahrt nach Luxemburg. Wenn man gerade in der Nähe ist, lohnt sich ein Abstecher immer. Wo man sonst den Tank befüllt oder Großpackungen Zigaretten und Kaffee kauft, so sind es im Gebirge oft die kleinen Dinge, die beglücken. Ich bringe meiner Familie stets etwas mit von meiner Expedition. Für meinen Mann  sind es meist Visitenkarten, Knöpfe, Schrauben  und Taschentücher. Für Tick habe ich die Star Wars Karten wiedergefunden, die wir bereits seit mehreren Tagen suchen. Trick freut sich über das Taschengeld von letzter Woche und bei Track lohnt es sich selbst für mich. Ich finde meinen Klunkerring wieder (ihr wisst ja um meinen Faible für Modeschmuck der Marke Konplott?). Meine Tochter kommt auch da ganz nach mir. Sie hatte ihn anprobiert, in der Hosentasche sicher verwahrt, aber dann leider  in der Hektik des Alltags vergessen. Dort finde ich außerdem noch ein kleines Hündchen und diverse Haarspängchen.


Alle feiern die glückliche Heimkehr von Mama und freuen sich auf nächste Woche, wenn es wieder heißt ‚wo die Unterhosen blühn‘.

In diesem Sinne, meine Liebe, bis bald.

Herzlichst

Deine Tanya

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